Viele Monate des Reisens sind bereits vergangen, doch es ist noch nicht vorbei. Macht man sich auf die Suche, dann findet man ueberall Abenteuer! Nur los gehen muss man. Und genau das habe ich wieder vor. Wohin? Einfach immer der Nase und dem Herzen nach. Für Interessierte gibt es hier die Fortsetzung von sabsbabsundanneinaustralien.blogspot.com!

Thursday, October 3, 2013

Hõissa Pulmad! Auf zur estnischen Hochzeit, Teil 1!

Wir schreiben das Jahr 2011.
Es ist ein schönes, sonniges Wochenende, im nördlichsten Teil Australiens.
Wir befinden uns in einem Hostel, welches sich durch seine Natürlichkeit von anderen Hostels abhebt.
Hier dürfen die Hühner noch frei herum laufen und ihre Eier legen, damit jeder Gast sich eines suchen kann um es später in der "Outdoor-Küche", unter freiem Himmel zuzubereiten.
 Etliche Zelte befinden sich auf einer kleinen Wiese, mit jungen Menschen davor, die sich fröhlich unterhalten oder gemeinsam musizieren.
Kontakte zu knüpfen ist auf diesem kleinen Stück Erde nicht schwer.

Australien...
Und so trafen an diesem Wochenenende vier junge Menschen aufeinander, aus den unterschiedlichsten Gegenden der Welt.
 Eine davon war ich, Barbara, aus Deutschland. Die andere junge Frau war Ruby, aus Korea.
Und nicht zu vergessen sind die zwei jungen Männer, beste Freunde aus Estland, mit den Namen Jaak und Meelis.

Es war derselbe Tag an dem Ruby und Meelis, wie auch Jaak und Barbara beschlossen, ihren Weg ein Stück gemeinsam zu gehen.
Nur zwei aufregende Urlaubsbeziehungen, die durch interessante, verführerische Reisegefühle genährt werden, oder doch etwas Ernsteres?

Reisen mit Meelis und Ruby
Bis heute kann zweifellos Niemand den Ausgang hervorsehen, aber mehr als zweieinhalb Jahre später befinden sich diese vier zufriedenen Personen nun gemeinsam im kleinen Estland,
um ihr Glück hier zu versuchen.
Und eines dieser Paare hat nun geheiratet!

Traditionell estnische Hochzeit!
  Nein, es sind nicht wir. Wir lassen es langsam angehen und schauen erst einmal zu.
Aber bereits letztes Jahr feierten Meelis und Ruby eine spektakuläre, traditionelle Hochzeit in Kora.
Leider konnten wir, wie auch viele Andere, nicht den weiten Weg auf uns nehmen, um dabei zu sein.

Deshalb feierten sie vor wenigen Wochen noch einmal hier in Estland, wovon ich nun berichten möchte!
Die Familien von Meelis und Jaak
Obwohl der Termin für die Hochzeit schon eine Weile stand, lief alles relativ spontan ab.
Denn nur 3 Wochen vorher beschlossen die zwei, nicht, wie geplant, einen Raum anzumieten, auf der estnischen Insel "Saaremaa", sondern vielmehr hier in Jaak´s Familienfarm zu feiern! 

Es würde eine traditionell estnische Hochzeit werden und das war für alle ca. 50 Teilnehmer spannend und neu. Denn auch in Estland heiratet so gut wie jeder in den bekannten, schicken Klamotten, die Braut trägt ein teures, weisses Hochzeitskleid und die eigentliche Feier findet innerhalb eines Tages statt.
Diese Hochzeit aber würde ein ganzes Wochenende gehen. Die Gäste schliefen entweder in den wenigen Betten im Haus, auf Isomatten in der Sauna und auf dem Dachboden, oder sie zelteten auf der zur Farm gehörenden Wiese.



Los ging´s also am Freitag und an diesem Tag hiess es vorbereiten. Früher wurde zu einer Hochzeit gewöhnlich das ganze Dorf eingeladen, da man nicht viele Menschen in anderen Orten kannte.
Und weil da so viele Menschen zusammen kamen, für die gesorgt werden sollte, half und brachte einfach jeder etwas mit!
An diesem Freitag wurde bei uns also das grosse Festzelt aufgebaut, Licht installiert, Plumpsklos aufgestellt, Feuer gemacht, Suppe gekocht, Fleisch eingewickelt, Kuchen gebacken, Schlafplätze vorbereitet, Texte einstudiert und so weiter und so fort... Jeder half mit.

Die Kinder fütterten die Fische und ich pflückte ein paar Äpfel für die grosse Party.



Zum Essen hatte jeder seinen eigenen Teller, Becher und sein eigenes Besteck mitgebracht. Das mag merkwürdig und unbekannt erscheinen, aber wie gesagt, früher war das ganze Dorf zugegen und Niemand besass genügend Geschirr, um so viele Menschen damit zu versorgen.
Auch nach dem Essen wusch im Idealfall jeder sein eigenes Geschirr ab. Das bedeutete für jeden nur einen geringen Aufwand und für Niemanden zu viel Arbeit.

"Sauna, Toilette, Feuerstelle, "Hungi" (Erklärung zu "Hungi" folgt später) - neben Windlichtern im Baum, die im Dunkeln schön leuchteten, stellte ich ebenso überall Schilderpfosten auf, damit sich auch Keiner verlaufen würde.
  Doch die eigentliche Hochzeitszeremonie begann erst am nächsten Tag, dem Samstag.
Nach einem Suppenfrühstück reisten noch mehr Gäste an und jeder warf sich in Schale. Ich war erstaunt, fast Alle hatten die gewünschte Kleiderordnung erfüllt und waren in Leinenklamotten gekommen, typisch traditionell!

Jaaks Schwester mit ihrer Tochter

Neben den Hochzeitsgästen reisten auch 3 traditionall gekleidete Damen und eine Dudelsackspielerin an, die die Zeremonie durch ihr Singen und Spielen unterstützen würden.

Rechts die 3 Damen sind die Sängerinnen
Auch die Dudelsackspielerin unterstützte die Hochzeitszeremonie.
Die Zeremonie begann traditionell damit, dass alle Frauen die Ankunft der Männer erwarteten.
In der Theorie kamen die Männer mit dem Bräutigam nun zum Hause der Braut.
In der Praxis wohnten Meelis und Ruby natürlich Beide nicht hier, aber es wurde eben so getan als ob.
Eigentlich sollten die Männer auf einer Kutsche angefahren kommen, von schönen Pferden gezogen. Aber der Kutscher und seine Pferde verletzten sich leider am Tag vorher bei einem Unfall leicht und so musste nun der Traktor des Nachbarn herhalten.

Die Männer kamen mit dem Traktor angefahren und wurden von den Frauen begrüsst.


Jaak und Ich waren so etwas wie die "Helfer" von Meelis und Ruby, aber in dieser Zeremonie gab es noch etliche andere Verantwortliche. Da war z.B. der Freund von Jaaks Schwester. Er war der "Vorsinger" auf Seiten der Männer, die seinen Gesang wiederholten.
Die 3 angereisten Sängerinnen vertraten mit ihrem Singen die Seite der Braut. Dieses Singen untermalte die ganze Hochzeit und "führte durch´s Programm".
Bei der Ankunft hiess das zum Beispiel, dass die Frauen sangen: "Wo seid ihr so lange geblieben? Wir haben auf euch gewartet." Und die Männer antworteten: "Die Strasse war lang und hart, bitte vergebt uns."

Der Freund von Jaaks Schwester war der "Vorsinger", die anderen Männer wiederholten seinen Gesang und die Frauen antworteten. Ein Gespräch durch´s Singen fand statt.

Natürlich verstand ich sprachlich nichts, aber erst hinterher wurde mir klar, dass auch viele der anderen Gäste den Text nicht verstanden hatten! Denn die Meisten waren aus dem Norden Estlands angereist und hier im Süden ist der Dialekt so anders, dass nur altgesottene Süd-Esten ihn verstehen.

Zum Zeichen der Versöhnung und Vergebung, weil die Männer "scheinbar" zu spät gekommen waren, brachte Jaaks Mutti einen Humpen Bier. Aus Diesem trank sie dann gemeinsam mit dem Bräutigam und des Bräutigams "bestem Mann". Wie gesagt, all diese Rituale sind fest verankert und wurden hier nicht spontan erfunden, sondern nur wie vorgeschrieben ausgeführt!
Jaaks Mutti "spielte" auf dieser Zeremonie die Mutter von Ruby. Denn ihre Eltern aus Korea konnten leider nicht persönlich dabei sein.

Der Bräutigam (links) und sein "bester Mann".
Nach diesem ersten Teil zogen wir Alle durch einen Torbogen aus 2 Birken, den Jaak und Ich extra im Vorfeld gebaut hatten. Wir gingen gemeinsam die wenigen Meter Richtung Haus.

Gemeinsam zogen wir Alle zum Haus.
Der nun folgende Teil mag wieder etwas absurd erscheinen, aber es ist eine sehr, sehr alte Tradition, die Fruchtbarkeit bringen soll. 
Auf dem Tisch lagen ein Schweinskopf und ein langes Messer. Als "Bräutigamshelfer" sollte es nun Jaaks Aufgabe sein, die Ohren vom Schweinskopf abzutrennen.
 
Jaak versucht die Schweinsohren abzuschneiden, dass soll Fruchtbarkeit für das Paar bringen.

Eigentlich sollte der Kopf gekocht sein, wodurch das Abschneiden einfacher wäre. Da aber die Zeit zum Kochen gefehlt hatte, war der Kopf roh und die Ohren gingen nicht ab.
In diesem Fall verlangte die Tradition, dass Jaak den Kopf auf den Boden schmiess und sagte: "Wer hat diesen Kopf auf den Tisch gelegt! Er ist roh!" Und das tat er nun auch und die Zuschauer lachten.
Verringert das nun die Chancen auf ein Baby? Irgendwann werden wir es erfahren...


Aber der nächste Teil der Zeremonie sollte noch lustiger werden.
Während der letzten Minuten hatten sich 3 Personen unbeobachtet von der Gruppe getrennt und irgendwo auf dem Gelände versteckt. (Die Personen wurden im Vorfeld festgelegt und gefragt.)

Jaaks Schwester versteckt sich in der Scheune.
 Nun fragte Meelis, wo denn seine Braut sei und er schickte Jaak und zwei weitere Freunde aus, um sie zu suchen!
Wo ist meine Braut?
Die Männer wurden schnell fündig und brachten eine Person mit, die einen Schleiher vor dem Gesicht trug und sich in der alten Sauna versteckt gehalten hatte.

Die erste Person wird gebracht. Ist das die richtige Braut?
Aber diese Braut hielt Meelises kritischem Blick nicht stand und als Dieser verlangte den Schleiher zu lüften, erschien darunter Meelises Freund, ein Mann!


Das ist wohl die falsche Braut.

Deshalb beratschlagten die
Männer wieder und Meelis verlangte erneut, seine Braut zu sehen.

Beratschlagen.
Aber die nächste Braut, die man ihm brachte, war Jaaks Schwester und auch Sie wollte er nicht heiraten!
Betasten und Betrachten - Ist das nun die richtige Braut?

Aber Meelis verleugnete auch diese Braut. (Rechts) (Links: Meelises Mutter)
Erst als er die Männer ein drittes Mal losschickte, brachten sie ihm die richtige Braut und er entschied sich erneut für seine Ruby.
Endlich, die richtige Braut ist gefunden!
Die Zwei verbeugten sich nun dreimal voreinander, zum Zeichen dafür, dass sie sich akzeptierten. Denn auf früheren Hochzeiten, bei denen diese Traditionen noch zur Regel gehörten, war sich das Brautpaar im Vorfeld meist fast unbekannt. Sie hatten sich vielleicht nur ein paar Mal gesehen.

Ruby, die Braut
Um der Braut Glück zu wünschen, wurde sie nun auf einem Stuhl dreimal in die Luft gehoben, ganz so, wie wir es auch von Kindergeburtstagen und ähnlichen Anlässen kennen.

Dreimal Hochleben lassen bringt Glück!
Ein eher unbekannter Brauch war der, dass Meelis, Jaak und der "beste Mann" des Bräutigams, in einem Kreis um Ruby herum liefen und ihre Schwerter über des Brautes Kopf zusammen stiessen. Auch dieser Brauch soll Glück, Zufriedenheit und Gesundheit bringen und, ganz davon abgesehen, einfach die Freude darüber zeigen, dass die Braut da ist.



Meelis
Die Feier ist an dieser Stelle noch lange nicht vorbei! Aber um den Lesern Zeit zu geben, alles zu verarbeiten, werde ich für heute hier ersteinmal Schluss machen.

Die Fortsetzung gibt es sehr bald und ich hoffe, ihr seid wieder mit dabei!

Monday, September 16, 2013

Mottorradtrip nach Tschechien

Unser zweiter Trip war ganz anders. Jaak hatte sich vor ein paar Wochen endlich ein langersehntes, kleines und gebrauchtes Motorrad für 700 Euro gekauft (125´er), es ein bisschen repariert und nun sollte es auf seinen ersten, langen Trip gehen. Gerade als wir los fahren wollten, fing es an zu regnen und wir waren uns nicht mehr sicher, ob wir wirklich fahren sollten. Ein Motorrad hat ja bekanntlich kein Dach. Sollten wir da nicht doch lieber hier im Warmen und Trockenen bleiben?

Alles bereit, Lederjacken an und Helme in Reichweite. Aber der Regen...
Aus Erfahrung wussten wir, dass unsere Hintern schmerzen würden. Deshalb bearbeiteten wir den Sattel ein wenig...
Es dauerte mindestens eine Stunde, bis der Regen etwas nachgelassen hatte. Im Internet schaute ich nach dem Wetter in allen Orten auf unserem Weg - würden wir einen ungefähren Zeitplan einhalten, sollten wir in keinen Regen kommen! Wir würden also fahren, es war beschlossen.

Ein bisschen Erfahrung hatten wir ja schon - auf einem genauso kleinen Motorrad waren wir damals durch die Berge in den Phillipinen gereist, als man uns violettes Benzin aus Coca-Colaflaschen verkaufte und Jaak unter Herzklopfen über eine schmale Hängebrücke fahren musste.

Ganz so aufregend wurde unser jetziger Trip nicht. Dafür waren sich die Länder, die wir durchkreuzten, eben doch zu ähnlich. Wir fuhren viel, wir fuhren weit, wir fuhren lang. Und anders als in den Phillipinen, nahmen wir uns kaum die Zeit für lange Pausen. Schon nach dem ersten Tag taten unsere Hintern, trotz selbst gepolstertem Sattel, so weh, dass wir beschlossen mit dem Bus weiter zu fahren. Bewegungsfreiheit gibt es auf einem Motorrad nicht und da der Sattel nicht besonders lang war, sass ich gewöhnlich auf dem Gepäckträger, was die Schmerzen wohl noch verstärkte. Wir wollten nach "Brno" in Tschechien kommen, aber es schien, als würden wir das so niemals schaffen. 


Aber jeden Morgen nach dem Aufwachen schien alles wieder leuchtend und positiv, wir konnten es schaffen! Die Hintern taten nicht mehr weh und auch sonst erschienen 3500 km (Hin- und Zurück) gar nicht mehr so lang. Dann nahmen wir uns immer wieder vor, doch noch diesen einen Tag mit dem Motorrad durchzuhalten.

Dadurch wurde unser Trip durch ganz andere Beweggründe angestachelt, als es normalerweise bei uns der Fall ist. Es ging nicht mehr so viel um die Schönheit der Natur oder um das Kennenlernen von Menschen und Orten. Vielmehr ging es darum, unseren eigenen, inneren "Schweinehund" zu überwinden, stark zu sein und ehrgeizig diesen begonnenen Weg zu Ende zu bringen. Und dann wartet am Ziel das gute Gefühl, etwas geschafft zu haben.

Am ersten Tag waren wir noch die romantischen Träumer, die nur die allerkleinsten Holperstrassen fuhren, da man dort viel schönere Dinge sehen könnte, als an einem grossen, vielbefahrenen Highway. Aber auch wenn unser Motorrad ein "Dirt Bike" war, extra gemacht für Steine, Matsch und holprige Strassen, selbst mit einem Tempo von durchschnittlich 20 km/h, fielen wir ein paar Mal fast auf die Nasen. Eine Schicht von losen Kieselsteinen verhinderte, dass die Räder Halt fanden.
Erster Stop schon nach einer Stunde, weil ein paar Schrauben lose sind. Würde das kleine, gebrauchte Motorrad den ganzen Weg bis nach Tschechien durchhalten?
Nach dieser Erfahrung konzentrierten wir uns nun auf Strassen, die nicht zu gross waren, aber auch nicht zu klein. Nach ungefähr einer Stunde mussten wir bereits Pause machen um ein paar Schrauben am Motorrad wieder fest zu ziehen, die lose geworden waren. Zweifel waren da. 
Sollten wir diesen Trip wirklich machen oder doch lieber wieder zurück fahren? 
Der Weg nach Hause war tatsächlich viel kürzer, als der Weg nach Tschechien...
Aber vielleicht nur noch ein kleines Stückchen, dann könnten wir ja immer noch umdrehen und zurück fahren...
Pause am Strassenrand

Als es Abend wurde und wir eine Unterkunft brauchten, war die Liste mit den bezahlbaren Unterkünften weg, die ich mir extra geschrieben hatte. Zelten konnten wir nicht, da Schlafsäcke, Isomatten und ein Zelt unmöglich auch noch zu uns Beiden auf das Motorrad gepasst hätten und so mussten wir uns auf mein Gedächtnis verlassen. Eine winzige Tasche, festgezurrt auf dem Benzintank vorne und ein 20 Liter Rucksack auf meinem Rücken, waren alles, was wir für uns Beide die zwei Wochen hatten.



Zum Glück erinnerte ich mich noch ungefähr an den Stadtnamen der ersten Unterkunft. 
Genauso wie dieser Abend, würden auch fast alle anderen Abende ablaufen.
Nach sechs oder sieben Stunden Fahrtzeit, hatten wir maximal 350 km geschafft. Schneller als 70 oder 80 km/h konnten wir zu zweit nicht fahren.
Ein oder zwei weitere Stunden brauchten wir, um uns nach Strassennamen und Unterkünften durchzufragen. An diesem ersten Abend half uns ein alter Lette, mit dem Jaak sich in gebrochenem Russisch unterhielt und wir fanden die Unterkunft relativ schnell.
Es war ein schönes Resort auf dem Land, dass sowohl ein Hotel, wie auch ein Hostel anbot. Die Dame an der Rezeption sprach Deutsch.




Am nächsten Tag fuhren wir von Lettland nach Litauen und übernachteten in der Stadt Kaunas. Glücklicherweise war die Liste mit den Unterkünften wieder aufgetaucht. Das hiess, dass wir ohne Karte und ohne Internet nun nach einem bestimmten Hostel suchen mussten. Das Billigste, dass ich extra vorher heraus gesucht hatte. Bald fanden wir heraus, dass wir nur nach der Fussgängerzone suchen mussten und als wir dort ankamen, erschien alles ganz einfach! Ich lief und lief und lief und lief. Die richtige Strasse war gefunden, aber die Hausnummer stimmte nicht! Wie konnte diese Strasse nur so lang sein? Erst hinterher stellte sich heraus, dass die Stadt Kaunas sich mit seiner 2,5 km langen Fussgängerzone rühmt! Welch ein Grund zur Freude, wenn man an´s andere Ende muss...

Eine versteckte Tür
Als ich das Hostel endlich fand, war es in einer düsteren Ecke, in der sich Menschen heimlich zum Rauchen trafen, weil das in der Fussgängerzone verboten war...



Und als ich die düsteren, alten Treppen hinaufgestiegen war, stand ich nur vor einer verschlossenen Tür mit dem Schild des Hostels, an der aber nicht einmal eine Klingel war. 15 Minuten stand ich vor dieser Tür und klopfte an, einen weiteren Eingang gab es nicht. Dann lief ich den langen Teil der Fussgängerzone wieder zurück zu Jaak, es hatte keiner aufgemacht.

Als wir später durch ein Telefonat das letzte Zimmer im kleinen 15-Personenhostel bekamen, stellte es sich allerdings als schön und gemütlich heraus. Noch dazu war der, nun eindlich erschienen Eigentümer, ein unglaublich netter Litauer, der uns eine Stunde lang half einen Motorradparkplatz zu finden und letztendlich entschied, wir sollten es doch einfach im Treppenhaus parken. Dieses war wiederum so klein, dass die Tür nur noch halb auf ging, aber da es ihn nicht störte, störte es uns auch nicht.



Ausgiebig schauten wir an diesem Abend im Internet nach Bussen, die nach Tschechien fuhren. Es schien unmöglich, noch länger auf diesem Sattel zu sitzen, auf welchem die Beine und der Hintern langsam einschliefen.
Aber die Reise mit dem Motorrad war billiger, die Motivation am nächsten Tag wieder da und so ging es weiter.



An diesem Abend kamen wir nach Polen und übernachteten in der Stadt "Bialystock".
Ich hatte in meinen ganzen Leben noch nie so viel Strassenbau gesehen wie auf dieser Reise. Egal wo wir hinkamen, wurde das Bild durch offene Strassen verunstaltet und kein Ort erschien dadurch wirklich schön. Einmal warteten wir insgesamt 3 Stunden an ca. 15 verschiedenen Baustellenampeln, an nur einer einzigen Strasse!

Überall matschige, offene Strassen durch den Umbau...
Unser Hostel war diesmal so sehr versteckt, dass selbst die Polen, die in der selben Strasse lebten, es nicht kannten. Aber ein netter Vater mit seinem kleinen Sohn, rief Freunde an, um sie nach dem Weg zu fragen und führte uns letztendlich dorthin.
Hier blieben wir zwei Nächte und als ich am nächsten Tag mit einem amerikanischen, viel redendem, alten Rentner auf Reisen, durch die Stadt zog, fand ich doch noch einige schöne Ecken, in dieser sonst so grauen Stadt!

Der Schlosspark
Polen ist gross und wir brauchten ein paar Tage, um es zu durchqueren.
Die Unterkunftssuche am nächsten Tag, raubte uns einige Nerven. In "Lodsch" waren wir nun und wie jeden Abend, fragte ich mich nach dem Weg durch. Leute zückten anteilnehmend ihre "Smartphones" und "iPads" und suchten für uns die richtige Strasse. Wussten sie es nicht, riefen sie Freunde an oder fragten die nächsten Passanten auf der Strasse, so dass bald eine Traube von fünf oder sechs Menschen um uns herum stand und auf polnisch über den richtigen Weg diskutierte.
Ich war gerührt und erlebte die Polen in dieser kurzen Zeit als nette, herzliche Menschen!
Aber scheinbar wusste es keiner wirklich, alle schickten uns trotzdem irgendwo hin, dann schickten uns die Nächsten wieder zurück und nach einer Stunde waren wir genervt und noch immer ohne wirklichen Anhaltspunkt!

Motorradhelmfrisur ;)
Da ging ich in ein grosses, gläserenes Gebäude und traf drei ernst aussehende Securitymänner und -frauen an, vor denen ich ein wenig Respekt hatte und nicht wusste, ob ich sie wirklich fragen sollte.
Oh, aber was wurde es lustig! Sie sprachen kein Deutsch und kein Englisch, ich kein Polnisch und kein Russisch. Also zückten sie Stift und Zettel und malten den Weg auf, der so lang und kompliziert erschien, dass man ihn kaum finden konnte. Von unten nach oben malte er, dann von links nach rechts und als das Blatt voll war, malte er einfach in einer zweiten Schicht darüber, so dass ich am Ende gar nichts mehr erkennen konnte!
Aber tatsächlich - es dauerte nicht lange und wir fanden unsere Unterkunft!

Na, wer würde bei einer solchen Karte nicht den Weg finden?

Wieder einmal eine traumhafte Nachbarschaft
Ich könnte noch viele Geschichten erzählen, von der Suche nach einer Unterkunft. Denn in zwei Wochen, passierte es täglich wieder, dass wir mindestens 2 Stunden nach unserem Hostel suchten.
Vielleicht wäre es doch sinnvoll ein Gerät mit Internetzugang zu besitzen, sei es ein Laptop, ein I-phone oder Ähnliches? Aber wie viele Menschen weniger hätten wir dann angesprochen, wie viele nette Begegnungen nicht gehabt, in denen Leute uns ausholfen?
Einmal ging ich in einen kleinen Laden um nach einem Internetcafe zu fragen, wobei sie mir gleich ein kleines Mädchen als Dolmetscherin anboten. Da führten sie mich in ihre privaten Zimmer, boten mir Kaffee und Kuchen an, erkundigten sich nach meiner  Reise und liessen mich ihren Computer nutzen! Ich war so gerührt, dass ich gar nicht wusste wie ich ihnen danken könnte, denn auch Geld wollten sie nicht.


Pause

Und nach sechs Tagen und mehr als 1500 km, waren wir tatsächlich in Brno, in Tschechien angelangt! Die Preise waren mittlerweile so günstig, dass wir sogar in einfachen Hotels schliefen. (Zumindest gaben sie sich als Hotels aus, waren dann aber, wie hier, doch nur ein Studentenheim oder Ähnliches).

Endlich angekommen!
Wäsche trocknen ohne Wäschetrockner
Ein paar Tage blieben wir hier und liessen das Motorrad von einem Mechaniker gründlich durchtesten. Ein paar Abnutzungserscheinungen waren erkennbar  und wurden erneuert.
Dann ging es wieder zurück Richtung Estland.
Auf unserem Hinweg hatten wir ein traumhaft schönes Fleckchen Erde gefunden, ganz im Nord - Westen Tschechiens! Deshalb buchten wir dort sogar eine Unterkunft im Voraus und konnten es kaum erwarten, auf unserem Rückweg dort wieder vorbei zu kommen.
Schmale Bergstrassen wanden sich durch eine Gegend, in der wir immer wieder kleine, gemütliche Örtchen, mit alten, individuell gestalteten Häusern durchquerten. Die Sonne schien und liess alles noch viel schöner erscheinen. Ein kleiner Bach plätscherte fröhlich vor sich hin und begleitete uns den ganzen Weg hinab in´s Tal.
Wir brauchten einen ganzen Tag, um sicher die steilen, kurvigen Strassen hinab zu kommen, aber es gab so viel zu sehen, dass es nicht langweilig wurde.
In dieser schönen Gegend, schliefen wir nun in einem dörflichen Gasthaus.









Zweimal regnete es, während wir auf dem Motorrad sassen. Um nicht nass zu werden, warteten wir unter einem Baum die Schauer ab. Einmal machten wir dabei zufälligerweise direkt neben einer kleinen Dorfkneipe Halt und beschlossen, auf eine gemütliche, heisse Schokolade hinein zu gehen.

Es kam anders. Nachmittags um drei befanden sich bereits ca. 10 Männer hier in der Kneipe, bei denen man nicht wusste, ob sie das Bier fest hielten oder das Bier nur noch sie festhielt.
Einer der Betrunkenen gesellte sich gleich zu Jaak, fragte nach einer Zigarette und gemeinsam waren sie für die nächsten Minuten vor der Tür verschwunden.
Aufmerksam sass ich an einem Tisch in der Ecke, vor einem aufgebackenem Baguette und einem Kaffee (den ich normalerweise nicht trinke), denn heisse Schokolade gab es nicht. Als sich auch Jaak zu mir gesellte, brachte uns der Betrunkene netterweise zwei grosse Bier, um seine Freundschaft zu zeigen. Unmöglich, ihm ohne Sprache verständlich zu machen, dass wir es eigentlich gar nicht wollten, weil Jaak fahren musste und ich es einfach nicht mag.
Da sass ich nun vor einem ungewollten Kaffee und einem Bier und wusste gar nicht, was ich höflicherweise als Erstes hinunter zwingen sollte! Als ich später die Toilette besuchen wollte, liess ich es lieber sein. Die Tür liess sich nicht verschliessen und direkt davor standen zehn betrunkene Männer, die jeden Moment hereinplatzen könnten...
Allzu lange hielt der Regen zum Glück nicht an und wie der Blitz verliessen wir diese interessante Stätte der Begegnung.

Regenschutz im Baum
Am Tag vor unserer Ankunft in der Farm, fuhren wir einfach los, ohne zu wissen, wo die nächste Unterkunft sein könnte. Wir fuhren zur litauischen Grenze, durchquerten ganz Litauen und kamen nach über 500 km Fahrt an einem Tag, nachts um elf in Riga an. Wir waren mindestens  10 Stunden am Stück gefahren, mit kleinen Pausen, in denen wir unsere übrigen Münzen ausgaben.


 
Wir überquerten die Grenze nach Lettland genau da, wo man, westlich gelegen, direkt nach "Kaliningrad" kommen würde. Das ist allerdings ein Teil von Russland und dafür braucht man ein Visa, welches wir natürlich nicht hatten.
Jaak war damals auf seinem Fahrradtrip aus Deutschland hier vorbeigekommen und nun suchten wir wieder diese kleine Waldstrasse, die so holprig und grasbewachsen war, dass es nicht schien, als kämen wir irgendwann in Lettland an. Immer wieder standen Schilder am Strassenrand, die wir aber nicht übersetzen konnten.
Erst, als wir in Lettland ankamen und direkt an der Grenze zwei Motorradfahrer trafen, erzählten diese, wir wären auf dieser Strasse gerade durch Russland gefahren.
Sie sagten es mit einem Unterton, der besagte, wir hätten gerade etwas sehr Dummes oder etwas sehr Mutiges getan. Auf jeden Fall war es strengstens verboten und wir hätten einen Haufen Glück gehabt, dass uns keine Grenzwärter mit Waffen entgegen gekommen waren.
Dabei hatten wir ja einfach nicht gewusst, dass wir in Russland waren...



Spät Nachts in Riga angekommen, war unser Lieblingshostel doch tatsächlich ausgebucht. Wir behielten unseren spontanen Lebensstil bei und ohne Garantie auf einen Schlafplatz, liessen wir unser Zeug dort und gingen in die nächste Bar. Irgendwann würde sich schon irgendwo ein Schlafplatz ergeben und wenn nicht, dann mussten wir eben die Nacht durchmachen und draussen verbringen.

Aber wir hatten Glück. Als wir viel später zurück in´s Hostel kamen, waren ein paar Gäste nicht angereist und wir hatten einen ganzen Raum für uns zur Verfügung!
Keine Sorgen, es ergibt sich eben doch immer irgendwas und es geht immer irgendwie weiter.

Am nächsten Tag kamen wir nach 14 Tagen und ca. 3500 km wieder in Estland, in der Farm an.
Unser Leben wurde nun etwas gesitteter und ruhiger.

Estland, Landkreis "Võru"

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