Viele Monate des Reisens sind bereits vergangen, doch es ist noch nicht vorbei. Macht man sich auf die Suche, dann findet man ueberall Abenteuer! Nur los gehen muss man. Und genau das habe ich wieder vor. Wohin? Einfach immer der Nase und dem Herzen nach. Für Interessierte gibt es hier die Fortsetzung von sabsbabsundanneinaustralien.blogspot.com!

Tuesday, September 9, 2014

Eseltour - Teil 2

Ganz einfach war es nicht Jemanden zu finden, der Zeit und Lust hatte, mit mir und einem Esel für 2 Tage in Brandenburg herum zu ziehen. Alleine wollte ich es nicht gerne machen, denn schöne Momente finde ich immer noch viel schöner, wenn ich sie gemeinsam erleben und darüber reden kann.

Glücklicherweise schloss sich meine Freundin Dani an und eines sehr frühen Samstag morgens machten wir uns mit dem Zug auf nach "Klein Gottschow".


Wieder holte uns die Farmerin vom Bahnhof ab und freudestrahlend stellte ich Dani die vielen, lieben Tiere vor, deren Bekanntschaft ich ja beim letzten Mal schon machen durfte.

Wer ist hier der richtige Hund?

Als das erste Mal dieses Reh auf mich zukam und ich es streichelte, konnte ich das kaum glauben.
Aber auch dieses Reh ist mit der Flasche aufgezogen worden und deshalb unglaublich zahm. In dieser Farm kann man wirklich fast jedes Tier anfassen!

Am Ende des Rundgangs kamen wir natürlich bei den Beiden an, um die es dieses Wochenende hauptsächlich ging. Die Esel "Eschok" und "Carla".

Wir würden nur Eschok mit auf unsere Tour nehmen können, denn Carla wurde gerade an den Hufen operiert und sollte sich nicht so viel bewegen. Wie uns aber später bewusst wurde, reichte dieser eine Esel auch schon vollkommen aus, um am Abend todmüde ins Bett zu fallen...

Eigentlich gibt es richtige "Packsattel", die man auf solchen längeren Trips verwendet, so einen hatten wir aber nicht. Anstatt dessen nutzten wir einen Ponysattel, der Eschok aber auch nicht richtig passte und deshalb immer wieder runter rutschte... Auch das Halfter war von einem Pony und etwas zu groß.
Die Frau von der Farm half uns, das Gepäck auf und an dem Sattel zu befestigen. 

Irgendwie wird das Gepäck am Sattel befestigt.
Während Dani die passenden Gepäckstücken zusammen sucht, wollen Hund und Schaf sehen, ob sie nicht etwas abbekommen.
Aber irgendwie sah dieses "Unperfekte" echt schön aus. Alles bunt und durcheinander, hängend und liegend, irgendwie befestigt. Farbig und individuell!



Kurz später ging´s los. Von "Klein Gottschow" nach "Guhlsdorf", das waren nur ein paar Kilomter durch den Wald. Wenn immer es ging, mieden wir den harten Asphalt, denn für die Eselshufen ist weicher Boden besser.




Ein paar Mal mussten wir Eschok ziehen, weil er keine Lust zum weitergehen hatte.

Esel ziehen und schieben.


Und dann fing es leider auch noch an zu regnen. Wir hatten 2 Mülltüten, die aber recht klein waren und wir versuchten mit Mühe und Not, das ganze Gepäck darunter zu verstauen. Immer wieder ging irgendwo eine Ecke ab, flatterte im Wind und darunter wurde es nass.
Die Mülltüten sollen das Gepäck trocken halten. Das hat mehr oder weniger gut funktioniert.
Ich würde lügen wenn ich behaupten würde, das Wetter hätte unsere Stimmung nicht ein wenig gedrückt. Reisen im Regen, nass sein und irgendwann frieren, kein warmes zu Hause haben sondern nur ein Zelt, die Klamotten nicht trocknen können, bis die Sonne wieder da ist... Wie oft habe ich das jetzt schon erlebt in den letzten Jahren!  Aber immer kommt irgendwann die Sonne wieder und weil ich diese Gewissheit habe, macht das Reisen doch Spaß.
"Selfie" mit Esel
Nach einer Weile kamen wir an unserem Campingplatz für die Nacht an, ein kleines umzäuntes Grundstück mit einem Teich und vielen Bäumen. Es gehörte denselben Leuten, die uns auch ihren Esel geborgt hatten. Eigentlich hatte ich angenommen, wir könnten Eschok hier einfach frei umher laufen lassen, aber das ging leider nicht, weil der Zaun nicht stabil genug war und unser Esel nicht zu viel Gras fressen durfte.
Das klingt hart, ist aber zu seinem eigenen Schutz!
Früher haben sich Wildesel ziemlich viel bewegt, heute stehen sie rum, fressen und werden oft übergewichtig. Dadurch können sie eine Krankheit bekommen die "Hufrehe" heißt. Der Huf ist entzündet, die Hornkapsel löst sich ab und im schlimmsten Fall muss man sie einschläfern lassen, denn sie können nicht ohne Hufe herum laufen...
Unser Campingplatz
Nach dem Aufbau des Zeltes, beschlossen wir noch etwas in der Gegend herum zu laufen. Eschok sollte sich ja nicht langweilen und das Festbinden am Baum schien ihm nicht sonderlich zu gefallen! Er kam begeistert mit, lief aber ungern durch Brennesseln und wechselte dann immer die Straßenseite, wenn sie ihn verbrannten.
Einmal wollte er überhaupt gar nicht weiter gehen und wir zogen und schoben eine ganze Weile. Der Grund waren allerdings die großen Pfützen auf dem Weg, denn Esel sind wasserscheu und können absolut nicht einschätzen, wie tief diese Pfützen wohl sind! Früher hat man ihnen deshalb kleine "Eselsbrücken" über kleine Flüsse gebaut und der Begriff wird ja noch heute verwendet...
Wir liefen mit Eschok dann auf dem Gras um die Pfützen herum, was gar kein Problem war.

Ziehen und Schieben bringt nichts - denn Esel gehen nicht durch Pfützen, weil sie nicht wissen, wie tief sie sind.
Ich mag diese Tiere.
Geduldig haben sie schon immer ihre Arbeit verrichtet, als "Goldesel" ersetzten sie damals schon Mägde und Knechte. Deshalb werden sie leider oft als dumm bezeichnet, dabei sind sie ziemlich klug und haben ein super Gedächtnis, sie merken sich sogar, wer Freund und Feind ist!
Durch einfaches Beobachten lernen sie sogar Gatter zu öffnen und interessanterweise können sie beide Ohrmuscheln in ganz unterschiedliche Richtungen drehen und somit ziemlich gut hören.



Unser kleiner Spaziergang nach "Guhlsdorf" war herrlich. Straßen mit schönen, bunten Pflastersteine, alte, zusammengefallene Häuser und drei Kinder die standen und schauten. Ich lud sie ein Eschok "Hallo" zu sagen und sie kamen mit ihrer Mutti zusammen und streichelten ihn.

Spaziergang durch den Ort
Efeubewachsene Stufen
Abends banden wir Eschok dann an einem Baum in unserer Nähe an. Wir machten Lagerfeuer und grillten Würstchen. Nachts standen wir alle drei Stunden auf um nach Eschok zu schauen. Ihm ging es gut!



Lagerfeuer und Grillen
Am nächsten Tag versuchten wir das Gepäck auf dem Sattel zu verstauen, aber da der Sattel wieder einfach nicht eng genug war, rutschte immer alles wieder hinunter. Wir gaben es der Frau von der Farm mit, die uns besuchte und zogen ohne Gepäck los.
Eschok am Halfter, zogen wir ein paar Stunden durch den Wald, einfach so. Als wir an einer Kuhweide Halt machten, zog Eschok mehrmals mit seinem "I-ah" die Aufmerksamkeit der Kühe auf sich. Sie kamen angerannt, glotzten für 10 Minuten, während Eschok gemütlich Gras und Möhren kaute. Pünktlich als sie gingen, lies Eschok wieder sein "I-ah" hören und sie kamen wieder alle angerannt und schauten!
Scheinbar machte ihm dieses Spiel Spaß, er wiederholte es dreimal.

Da ging es nicht weiter.



Dann ging es zurück zur Farm.

Dani bei den Emus
Die einäugige Katze


Abends fuhren wir mit dem Zug wieder heim. Schon gleich am Anfang hatten wir Schienenersatzverkehr, fuhren eine Stunde mit dem Bus durch kleine Dörfer, verpassten unsere Anschlusszüge und kamen nachts um 01.00 Uhr wieder nach Erfurt. Es war ein toller Kurztrip gewesen.


Tschüß Eschok!

Ob ich nun auf meiner Reise einen Esel finde, der mich auf kurz oder lang begleitet, das steht noch in den Sternen. Es gibt wirklich viele Dinge die dabei zu beachten sind!
Einen kleinen Einblick habe ich ja schon einmal gewonnen.

Jetzt geht es los nach Spanien, oder wo es mich sonst noch so hin treibt, und es wird hoffentlich wieder eine Reise voller Abenteuer und Emotionen werden. Wann ich wiederkomme, dass weiß ich nicht ganz genau. Die Arbeit in Erfurt ist gekündigt, die Wohnung abgegeben, mir steht wieder einmal die ganze Welt offen und das ist ein tolles Gefühl!
Bis bald!

Die Querflöte ist auch wieder dabei. Wenn das Geld ausgeht, kann ich immer noch Straßenmusik machen!

Thursday, August 28, 2014

Eseltour - Teil 1


So wunderschön meine letzten 5 Monate in Erfurt auch gewesen sind, es wird Zeit für eine neue Reise!

Schon seit ungefähr einem Jahr steht fest, dass ich ab September wieder einmal mit meiner Freundin und ehemaligen Reisekollegin Sabs auf eine längere Tour gehen werde.
Irgendwann beschlossen wir, dass es 3 Monate Spanien sein sollten. Einfach herum reisen, ganz einfach, mit Zelt und Schlafsack, so wie damals in Australien. Offen für alles, was eben passiert. 
Und wenn uns zufällig ein Esel über den Weg läuft, dann nehmen wir ihn einfach mit und machen eine Eseltour!

Esel und Ponys zusammen auf der Farm in "Klein Gottschow"
Für den Fall der Fälle, habe ich das vor ein paar Wochen schon einmal geübt.
Auf der Seite "helpX", die Farmen anbietet, auf denen man ein paar Stunden täglich für Unterkunft und Essen arbeitet, suchte ich nach "donkey", "Esel".
Es zeigten sich vier Farmen in Deutschland die Esel haben und ich fand innerhalb kürzester Zeit Eine, die mich für 4 Tage aufnahm.



Eines frühen Morgens stieg ich also in den Zug, um in ein 100-Seelendorf im Landkreis Brandenburg zu fahren. Eine Frau um die 50 holte mich vom Bahnhof ab, im Farmer-Outfit und mit einem kuschelig weißen Hund in Begleitung.

Die Farm war ziemlich idyllisch. Unter die 5 Hunde, die mich sofort begrüßten, hatte sich auch ein Schaf gemischt. Anton, das Schaf, dass denkt es wäre ein Hund.
Er wird mit der Flasche aufgezogen, bekommt seine Kuscheleinheiten von einem Hund und geht immer wieder in die Hundehütte. Außerdem hört er auf seinen Namen, wenn man ihn ruft! Er schnüffelt genauso neugierig in jeder Tasche herum und versucht etwas Leckeres zu Essen zu finden, wie die Anderen es tun. Nur Bellen hat er noch nicht gelernt, stattdessen kommt nur ein herzzerreißendes "Mäh"!

Da liegen sie im Hausflur - die Hunde und das Schaf Anton (ganz hinten)
Anton
Von Früh bis Abends half ich mit bei der vielen Arbeit, die hauptsächlich aus Futter und Wasser geben und Ausmisten der Ställe bestand.

Die Farm ist ein zu Hause für mehr als Tausend Tiere, unter Anderem für 14 Katzen.
Auch eine einäugige Katze lebt hier.
Neben 5 Hunden, 14 Katzen, ein paar Schafen, Ziegen, einer Kuh, Rehen, einem alten Wildschwein, 2 Emus, einem Truthahn, 2 Eseln, ein paar Ponys und einem Pfau, leben in der Farm hauptsächlich die verschiedensten Enten, Gänse und Hühner, die auch geschlachtet und verkauft werden. Insgesamt sind es mehr als 1000 Tiere! Sie werden so liebevoll behandelt, dass es sogar einen kleinen Kranken-Stall gibt. Verletzte Tiere kommen dort hinein, wenn sie einen Fuß nachziehen und nicht richtig laufen können oder, wie so oft, von Anderen die Federn ausgepickt bekommen.
Kleine Enten und Küken haben auf ihrem Schnabel vorne den spitzen "Eizahn", den sie benutzen, um aus dem Ei zu schlüpfen. Es ist gesetzlich verboten, diesen Eizahn abzuschneiden. Allerdings kommt es häufig vor, dass die Enten damit auf Anderen herumpicken, bis das Opfer blutet und wohl daran stirbt, wenn Keiner eingreift. Denn unerklärlicherweise wehrt sich das Opfer nicht, es bleibt einfach sitzen. Warum sie das tun ist wohl nicht geklärt, vielleicht fehlt ihnen ein Stoff, vielleicht haben sie zu wenig Auslauf...
Den ganzen Tag suchten wir im Vorbeilaufen nach diesen verletzten Enten, sprühten sie mit einem blauen Spray ein und brachten sie ins "Krankenhaus".

Das blaue Spray klebt an den Händen, es hilft Enten die "angepickt" wurden.
Unglaubliche Idylle unter einem Baum... Hier ruhen sich Schafe, Ziegen, Hühner, Störche, Gänse, Rehe und eine Kuh gemeinsam aus.
Hier werden Hühner- und Enteneier ausgebrütet.
Faszinierend - Wenn man mit einer Lampe ein Ei durchleuchtet, kann man sehen ob ein Embryo im Ei ist oder nicht!
Es sieht ein wenig aus wie ein dunkler Fleck, der sich aber bewegt, er lebt!
Eine meiner unglaublichsten Erfahrungen, einen kleinen Embryo im Ei zu sehen... ("Schieren") 
Tagsüber liefen Enten, Hühner und Gänse frei herum, am Abend und wenn es regnete, mussten wir sie einsperren. Denn nachts kommen wilde Tiere um sie zu fressen und im Regen erkälten sie sich, weil sie noch nicht genug Gefieder haben. Obwohl sie den Weg in ihren Stall genau kannten, liefen sie im hohen Bogen vor dem orangenen Rechen in unserer Hand davon, mit dem wir sie scheuchten, nur um irgendwann über Umwege doch im Stall zu landen, sie kannten den Weg!
Einmal wollten wir ganz nett sein und ließen auch kleine Enten im Freien herum laufen, die das bisher noch nicht kannten. Wir dachten wirklich die Freiheit täte ihnen gut! Aber wir irrten uns. Es war ein richtig warmer Tag und wahrscheinlich freuten sich die Enten so sehr, draußen zu sein, dass sie erst zu spät merkten, dass sie Durst hatten und dann den Wassernapf nicht fanden. Sie hatten einfach keine Kraft mehr dorthin zu laufen. Manche konnten wir retten, indem wir sie ans Wasser setzten und ihren Schnabel als "Löffel" benutzten um Wasser in sie hinein zu bekommen.
Aber viele Enten starben an diesem Tag.
Ganz abgesehen von dem enormen Aufwand den wir hatten, als wir am Abend die Enten mit dem roten Schnabel, von den Gelb-Schnäbligen trennen mussten...

Wir gaben den Enten ein Stück Freiheit - und sie starben, weil sie bei so viel Freiheit den Weg zum Wasser nicht mehr finden konnten...
Nie werde ich das schnatternde, platschende Geräusch vergessen, wenn Hunderte von kleinen Enten gemeinsam trinken und sich so riesig über einen Strahl aus dem Wasserschlauch freuen, dass sie in Scharen herbei strömen, um die Schnäbel ins laufende Wasser halten.
Einmal ertrank eine Ente fast dabei. Sie verfing sich im Trinknapf, der aus einem alten Regenrohr gebaut wurde, in den oben Löcher hinein geschnitten wurden. Ich rettete sie und setzte sich unters Rotlicht ins Krankenhaus.
Auch zu den kleinen, 3-Wochen alten Katzen musste die Tierärztin kommen - ich hatte bemerkt, dass ihre Augen verklebt sind und die Ärztin diagnostizierte den "Katzenschnupfen", an dem sie ohne Impfung sterben könnten.

Am nächsten Tag bauten wir den Enten mit einem Zaun einen kleinen "Garten". In dem Umkreis konnten sie auch das Wasser noch finden.
Eschok und Carla heißen die zwei Esel in der Farm und sie sind es absolut nicht gewohnt, einen Halfter zu tragen oder gar auf  geführte Spaziergänge zu gehen. Als ich die zwei das erste Mal auf dem Gelände herumführte, blieben sie schon nach ca. 200 Metern stehen und wollten nicht mehr weiter. Zogen half nicht, da gingen sie nur im Kreis. Also schob ich sie mit voller Kraft an. Das war bei diesen Tieren ok, da ich wusste, sie treten nicht nach hinten aus. Bei unbekannten Tieren sollte man das lieber nicht versuchen...

"Eschok" und "Carla"


Am nächsten Tag nahm ich "Eschok" mit auf einen einstündigen Spaziergang und das war eine sehr interessante Erfahrung. Der Hinweg verlief sehr schleppend. So richtig Lust hatte er wohl nicht, schlenderte gemütlich dahin, beugte immer wieder seinen Kopf um zu fressen, während ich ihm das untersagen musste, um "der Boss" zu bleiben. Ab und an musste ich ihn auch anschieben, wenn er nicht weiter wollte.
Auf dem Rückweg wiederum rannte er fast und konnte es wohl kaum erwarten, wieder zu Hause anzukommen! Umso überraschter war ich, als er im Dorf nicht sofort in den Toreingang abbog und ich nutzte die Chance, um noch eine Runde durchs Dorf zu drehen.

Die kleine Kirche in "Klein Gottschow". Erst später erfuhr ich, dass die Freitreppe links wohl eine besondere Sehenswürdigkeit ist.
Diese letzten Minuten waren richtig schön... Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, dass wir eine richtige Einheit sind. Gemütlich schlenderten wir dahin und hatten endlich ein Tempo gefunden, in dem wir uns Beide wohlfühlten.
Er erschreckte sich vor dem Geräusch des Stromhäuschens und vor einem bellenden Hund, drehte sich zu mir um und ich durfte ihn beschützen.
In diesem Moment hätte ich alles für ihn getan und ich wusste plötzlich, was er als Gegenleistung von mir erwarten durfte, wenn ich schon sein "Boss" sein musste - Verständnis, Freundschaft und das Vertrauen, dass ich ihn vor jeglicher Gefahr beschützen würde.



Die 4 Tage Farmarbeit in Vollzeit waren wirklich unglaublich anstrengend und ich war danach auch erst einmal krank, aber sie waren auch wunderschön. Am Ende bot mir das ältere Paar an, dass ich doch noch einmal wieder kommen könnte. Dann dürfte ich die Esel mitnehmen, sie würden das Gepäck tragen und gemeinsam könnten wir eine längere Tour machen.
Die beiden Farmer haben noch ein anderes Grundstück mit einem kleinen See, Bäumen, einem Zaun drum herum... Von der Farm bis dorthin ist es nicht weit, aber für einen ersten Versuch wäre es ausreichend und dort könnte ich zelten und am nächsten Tag zur Farm zurück ziehen.
Für mich stand fest - Vor meiner Abreise nach Spanien wollte ich das auf jeden Fall noch machen!
Und ein paar Wochen später war es dann endlich soweit...



Sunday, July 27, 2014

Meine aktuelle Wohnung
Nachdem mein letztes Eintrag noch aus Estland stammte, kommt dieser hier aus Deutschland. Wieder ist viel passiert!

Mitte November machte ich mich auf nach Deutschland, eigentlich wollte ich mit dem Flugzeug fliegen, um nach Oberhausen zu kommen und dort bis Weihnachten auf dem Weihnachtsmarkt zu arbeiten. Aber dummerweise verpasste ich meinen Flug.
Ich  fuhr einen ganzen Tag mit dem Auto umher, nur, um Abends wieder auf der Farm in Estland anzukommen.
Ich verlor im Flughafen meine Kreditkarte, konnte deshalb keinen neuen Flug buchen und verbrachte letztendlich weitere 30 Stunden im Bus, um nach Berlin zu kommen.

3 Tage und 2 Nächte war ich gefahren, als ich letztendlich in Oberhausen auf dem Weihnachtsmarkt ankam. 56 Stunden.
Mein Plan, ganz entspannt diesen Job zu beginnen, ging also nicht auf. Und trotzdem war er gut!
Erst musste ich mich zum Weihnachtsmarkt durchfragen, dann den Stand finden und dort lag eine winzige Stadtkarte bereit, auf der meine Adresse für die nächsten anderthalb Monate stand, meine bezahlte Einraumwohnung... Nur mit Hilfe vieler Fragen fand ich mein neues zu Hause und tatsächlich halfen mir alle Menschen in Oberhausen mit einem Lächeln auf dem Gesicht! Ich traf wirklich viele nette Menschen im Ruhrgebiet.

Verkauf auf dem Weihnachtsmarkt, an "meinem" Stand
Wie so oft ging ich sofort mit dem Anspruch an meine Arbeit heran, alles perfekt machen zu müssen, aber das klappte nicht, denn "Verkaufen" war ja ein Gebiet, in welchem ich mich noch gar nicht auskannte...
240 verschiedene Artikel hieß es namentlich zu kennen, auf dem Lieferschein wieder zu finden, ungefähr zu wissen wo was steht, vielleicht noch ein paar Infos zur Herstellung oder Anwendung zu kennen und so viele Preise wieder möglich im Kopf zu haben...
Es war meine Entwicklung, die mir und dem Arbeitgeber Freude bereitete, von einer etwas chaotischen Überforderung bis hin zu einem relativ strukturiertem, klaren Ablauf.
Am Ende verkaufte ich dann auch noch auf dem Weihnachtsmarkt in Duisburg an den Wochenenden den ganzen Tag und fuhr erst in der Nacht vom 23.12.-24.12. nach Thüringen, um Weihnachten mit meiner Familie zu verbringen.
Mein Fazit als Verkäuferin: Wenn es auch Spaß gemacht hat, zu einem besseren Menschen, bin ich durch diesen Job nicht geworden...

Winterlich bekleidet Schafe füttern mit einer neu getroffenen Bekannten aus Russland.
Weihnachten mit der Familie zu verbringen war super und am 29.12.13 kam dann auch Jaak.

Ich glaube immer noch fest daran, dass es für alles seine Zeit gibt und ohne es vorher geplant zu haben, beschlossen wir noch am selben Tag, unsere Beziehung nach zweieinhalb Jahren hier zu beenden.

In meinen Gedanken, war mir diese Möglichkeit immer als unvorstellbar und kaum auszuhalten erschienen, aber tatsächlich war nun die richtige Zeit dafür da und es war gar nicht so schlimm. Er war noch einen weiteren Tag bei uns zu Hause und auch wenn es irgendwie schwer war, es war auch gut, weil er plötzlich als "normaler" Freund neben mir stand und das sich einfach richtig anfühlte! Von Anfang an wussten wir wohl Beide, dass es richtig ist und mittlerweile weiß ich, dass man Beziehungen "einfach" verändern kann.
Wir waren dieselben Menschen, nur dass sich unsere Wege nun irgendwie unterschieden und die Gefühle füreinander anders waren. Das hieß aber nicht, dass wir negative Gefühle füreinander hegten und so kam es auch nie zum Streit. Nun lebt einfach jeder sein eigenes Leben weiter.
Ein Stück des Weges haben wir einander begleitet und das war auf keinen Fall eine verlorene Zeit.
 Nur kommt irgendwann der Moment, in dem man beschließen muss, in seinem Leben wieder ein Stück voran zu gehen und den nächsten Schritt zu tun.

Wenn wir auch nicht mehr zusammen sind, Jaak wird mir als "normaler" Freund erhalten bleiben...
Diesen Schritt hatte ich damit getan, aber die meisten Probleme bereitete mir meine Zukunft. Wo wollte ich hin, was hatte ich für ein neues Ziel, wie würde mein Leben weiter gehen? So vieles hatte ich in Estland zurück gelassen, meine Sachen, meinen Freund, irgendwie auch mein letztes, längeres zu Hause, meine neue "Ersatzfamilie", ein paar Freunde, Ideen...

Ich lebte 3 Monate bei meinen Eltern im Dorf um hinaus zu finden, wie es weiter geht.

Schneemann bauen...

Einige Zeit  später...
Irgendwann beschloss ich im Hostel zu arbeiten, ein Traum, den ich schon länger hatte und irgendwie auch die einzige Idee, die mir in dieser Situation kam...

Wieder einmal stand mir ganz Deutschland offen, ich wollte allerdings nicht ganz so weit weg, wie damals in Freiburg und so fuhr ich eines Tages nach Dresden.
Ich konnte bei einer Freundin schlafen, gab jeden Tag meine Bewerbung in irgendeinem wunderschönen, urigen Hostel ab, schlenderte durch die prachtvolle Altstadt, erkundete mit dem Fahrrad die Gegend...
Alles hätte irgendwie perfekt sein können und doch - irgendetwas fehlte.
Und es war nicht die Vollzeitstelle im Hostel, die ich nicht bekommen konnte, ich hätte mir ja auch noch einen Zweitjob in der Kinderkrippe besorgen können.

Dresden - wunderschön und doch im Moment der falsche Ort für mich. (Internetfoto)
Eigentlich war dann doch alles ganz einfach - ich musste nur wieder mal auf mein Herz hören.
Denn eigentlich gab es gerade nur einen Ort, an dem ich sein wollte und als ich mir das eingestanden hatte, setzte ich mich noch in den nächsten zwei Stunden in eine Mitfahrgelegenheit und fuhr - ganz ungeplant - nach Erfurt.

Ich bewarb mich dort in einem Hostel, wollte den Job aber gar nicht richtig und bekam ihn auch nicht.
Dann beworb ich mich in Kinderkrippen in Erfurt für 5 Monate - und hatte innerhalb von 6 Stunden die Antwort von meiner jetzigen Arbeitsstelle, der Montessorie Integrativen Kinderkrippe.
Eine Woche später fing ich an und bekam auch ganz einfach eine WG.
Die Wohnung ist in derselben Straße, in der ich auch vorher schon gewohnt habe, 5 Häuser weiter.
 Ich bin wieder dort am Anfang, wo ich auch vor 5 Jahren war, nur bin ich voller neuer Erfahrungen, die ich damals noch nicht hatte.



Ich liebe diese Stadt.
Ich steige aus dem Zug aus, setze den ersten Schritt auf den Boden und mein Herz schlägt schneller.
Mit einem, irgendwie schüchternen, aber auch freudigen Lächeln auf dem Gesicht, ist erst einmal alles vergessen, was mich je gestört hat und ich fange an zu Laufen, ganz egal wohin, weil auf einmal alle noch so hässlichen Plätze, zu den allerschönsten Orten werden.
Weil sie eine Geschichte erzählen. Nicht irgendeine, sondern meine Eigene. Überall Orte, an denen Erinnerungen hervorgeholt werden, Orte, an denen ich mal gewohnt hab oder irgendjemand Nettes immer noch wohnt. Eine Kirche, von der ich mich mal abgeseilt habe, ein Park, in dem ich nette Stunden verbrachte, eine Bar, in der ich schöne Musik gehört habe, der Landtag, das Puppentheater oder irgendwelche Ämter, bei denen ich auf Tag der offenen Türen schon mal selbst Musik machen durfte, Arbeits- und Praktikumsstellen, Stellen, an denen ich schon mal los getrampt bin um große Reisen und Abenteuer zu erleben ...
Erfahrungen und Gefühle, die ich niemals aus meinem Leben bannen möchte.

Mein kleiner, lustiger, selbstgebauter Schrank
Ich LIEBE dieses Gefühl, in die Straßen hinaus zu gehen, umgeben von fremden, unbekannten Gesichtern und plötzlich, ganz unerwartet, treffe ich Irgendjemanden, den ich kenne, zufällig auf der Straße. Und dann gehe ich weiter und treffe wieder Jemanden zufällig auf der Straße. Und weiter und weiter und immer wieder geht es so. Plötzlich werden aus ein paar Minuten ein paar Stunden, voller schöner Unterhaltungen und Gefühle. Ich schätze, nette Leute treffen war immer schon mein größtes Vergnügen und in den letzen Monaten hab ich es ein wenig vermisst, immer auf einer einsamen Farm, mit hauptsächlich einem einzigen (wenn auch sehr nettem!) Begleiter an meiner Seite.

Auf einmal ist überall Leben um mich drum herum, überall Menschen, überall Freunde und gute Gefühle.
Es scheint, als hätte ich nicht einen einzigen Freund verloren, trotz den ganzen Jahren, in denen wir uns gar nicht, oder kaum, gesehen haben! Nein, im Gegenteil, nach diesen paar Monaten hier, hat sich mein Freundeskreis schon wieder um so viele nette Menschen erweitert, die alle einen Platz in meinem Herzen haben.
 Denn nachdem ich auf meinen Reisen dank "Couchsurfing" bei völlig Fremden schlafen durfte, biete ich nun selbst Schlafplätze an. Und es ist toll! Unbekannte aus Deutschland und von überall her, senden mir Anfragen, ob sie in meinem kleinen 12qm - Zimmer schlafen dürfen und so oft es geht, treffe ich dadurch neue, nette Leute, die für eins, zwei Nächte hier schlafen. Die Gastfreundschaft, die ich in den letzten Jahren so oft erleben durfte, kann ich nun endlich zurück geben.

Pyjamaparty bei mir: Schminken, Tatoos, Lovestorys lesen, Teeniemusik und Teeniefilme gucken, Wahrheit oder Pflicht spielen und über Jungs lästern, was für ein Spaß ;)
Bunte Tatoos...