Viele Monate des Reisens sind bereits vergangen, doch es ist noch nicht vorbei. Macht man sich auf die Suche, dann findet man ueberall Abenteuer! Nur los gehen muss man. Und genau das habe ich wieder vor. Wohin? Einfach immer der Nase und dem Herzen nach. Für Interessierte gibt es hier die Fortsetzung von sabsbabsundanneinaustralien.blogspot.com!

Friday, February 13, 2015

Abenteuer im Süden, ein Ausflug nach Großbritannien und der Abschied von Sabs




Mehr als 1000 km und genau 17 Stunden fuhren wir mit dem Bus.
Mitten in der tiefsten Nacht mussten mehrmals alle Mitfahrer aussteigen, weil der Fahrer Pause machen musste und uns nicht alleine im Bus sitzen lassen durfte. Während wir verschlafen in den Rasthöfen saßen, kam eine Gruppe quirliger Teenies gerade vom Feiern und aß einen letzten Burger vor dem Nachhausegehen. Die Welten sind manchmal verschieden.

Angekommen in "Cadiz", im Süden Spaniens
Am Morgen kamen wir in "Cadiz" an. Wir waren an der Südküste Spaniens!

 
Suchbild: Wo ist Sabs?
 Die erwartete Hitze und der strahlende Sonnenschein blieben leider aus... Immerhin regnete es gerade nicht und so liefen wir einfach umher und schauten uns an, was uns auf unserem Weg begegnete.
Gleichzeitig hielten wir Ausschau, nach einem guten Platz für unser Zelt. Die Jungs hatten leider Keines, sie wollten einfach unter dem Sternenhimmel schlafen.


 

 

 Nachdem wir nun wussten, dass wir alle gerne Musik machten, ernannten wir uns kurzfristig zu einer "Band auf Zeit" und gaben uns den Namen "Las Flechas". 
"Flecha" bedeuted "Pfeil" auf spanisch und da wir uns auf dem Jakobsweg kennen gelernt hatten und ständig die kleinen, gelben Pfeile finden durften, die den richtigen Weg anzeigten, fühlten wir uns dadurch verbunden.
Einige Stunden vorher hatten wir uns noch gar nicht gekannt - und nun saßen wir hier gemeinsam und machten Straßenmusik am Strand!

Straßenmusik
Einfach mal abhängen und Kekse essen - in einem riesigen Gummibaum!
Wo ist der Hund?
  Abends schlug das Wetter um - es fing an zu regnen. Die Jungs beschlossen doch in ein Hostel zu gehen und wir blieben dort mit ihnen, kochten leckeres Essen, konnten mal wieder kurzzeitig das Internet nutzen und machten Musik.
Sabs und ich wollten trotz allem zelten und hatten am Strand sogar einen überdachten Platz dafür gefunden. Aber aus dem Regen wurde ein richtiges Gewitter, es blitzte, donnerte und stürmte wild vor unserer Tür! 
Unsere Enttäuschung war groß - wir hatten auf Wärme und Sonnenschein im Süden gehofft und bekamen ein stundenlanges Gewitter!

Dort oben ist ein winziges Zimmer im Hostel, in dem ein Helfer monatelang freiwillig geschlafen hat!
 Zelten war bei diesem Wetter unmöglich, aber wie immer taten wir nur eins - ruhig bleiben und abwarten was passiert, irgend etwas ergibt sich ja immer.
(Ganz ehrlich - oft fällt uns das auch nicht leicht, aber irgendwie funktioniert es dann doch immer!)

Und wirklich! Ich hatte mich lange mit dem Koch unterhalten und als er erfuhr, dass wir irgendwo Zelten wollten, lud er uns für eine Nacht in sein kleines WG-Zimmer ein, in dem Sabs und ich zu zweit auf einer schmalen Matratze schliefen. Er hatte so wenig Platz, aber trotzdem half er uns aus!
Im Sommer richtig schön - bei etlichen Häusern sah ich in Cadiz diese tollen Dachterrassen!
 Wir blieben nur eine Nacht in Cadiz, am nächsten Tag wollten wir alle in den kleinen Ort 
"San Roque" fahren. Ein Deutscher hatte Sabs und mir bei "Couchsurfing" einen Schlafplatz angeboten, nun stimmte er zu, uns sogar alle Vier aufzunehmen!

Es wurde interessant, denn während die Jungs eine Mitfahrgelegenheit vom Hostel aus fanden, wollten Sabs und ich versuchen zu trampen.
Sabs und Ich hatten Beide sehr alte Handys, ohne Internetzugang. Die Jungs wiederum hatten gar kein Handy! Auch Laptops hatten wir alle nicht.
Es hieß als getrennt dort hinzukommen und sich irgendwann, irgendwo wiederzufinden, ohne Kommunikationsmöglichkeit!

Meine Straße
 Wir waren etwas spät dran, als wir endlich los liefen und fanden auch keinen geeigneten Platz an der Straße, sie war einfach sehr groß. Aber dort war ein kleiner Parkplatz für Leute die Surfen gehen wollten. Unsere Chancen waren sehr gering, aber bereits der Dritte oder Vierte, den wir ansprachen, wollte in unsere Richtung!
Genaugenommen waren es zwei Männer mit ihren Campervans, die gerade auf Reisen waren. 
Wir durften mit!
Auf gehts, im Campervan!
Unterwegs entschieden die Beiden allerdings, dass sie nicht sehr weit fahren würden... Wir hatten zwar ein Stück des Weges zurückgelegt, stiegen dann aber in den letzten Bus ein, mit dem wir noch nach "San Roque" kommen konnten.
Die Jungs riefen von einer öffentlichen Telefonzelle aus an und wir verabredeten uns an der Bushaltestelle zu treffen.

"San Roque"
Als wir allerdings im Dunkeln aus dem Bus stiegen, wurde mir gleich klar, dass das keine so gute Idee gewesen war.
 Diese Bushaltestelle war winzig und lag etwas außerhalb der Stadt, sicherlich würden die Jungs nicht hierher kommen, um uns abzuholen! Anrufen konnten wir sie ja nicht...
Also liefen wir auf gut Glück in Richtung Stadtzentrum.
Unterwegs entwickelte ich den Plan, alle Hörer in Telefonzellen anzufassen um herauszufinden ob sie noch warm sind und die Jungs dort womöglich telefoniert hatten. Aber aus ersichtlichen Gründen verwarf ich den Plan schnell wieder...

Zigarettenfilter kann man nicht nur zum Rauchen verwenden...
Lieber suchten wir die größte Bushaltestelle auf, die es in diesem Ort gab.
Und auch wenn diese Haltestelle winzig war - wir waren noch gar nicht da und hatten sie schon gefunden! Da saßen sie und aßen gemütlich ihr Sandwich und wir freuten uns, dass man sich auch ohne Kommunikationsmittel wieder finden kann!


Stundenlang liefen wir nun durch diesen Ort und waren überrascht. "San Roque" war bestimmt in keinem Touristenführer zu finden, aber es war wirklich ein kleines, gemütliches Städchtchen. Das sah man sogar im Dunkeln!
Wir fanden einen Platz, von dem aus wir die Stadt von Oben beobachten konnten und machten Musik.



Dann holte uns unser Gastgeber ab und wir fuhren zu seiner Wohnung, der gelbe Pfeil begleitete uns!

Da gehts in die Wohnung, wie auf dem Jakobsweg, einfach dem gelben Pfeil folgen!
Wir erfuhren ziemlich spannende Dinge von ihm. Denn ungefährt 20 Minuten von unserer Unterkunft entfernt, befand sich "Gibraltar".
Was wir bisher alle noch nicht gewusst hatten - obwohl es, der Landmasse nach, scheinbar zu Spanien gehörte, ist es eigentlich britisches Überseegebiet!

In der Nähe von "San Roque" haben wir gewohnt, nur ca. 20 Minuten entfernt von "Gibraltar", ein britisches Überseegebiet!

GBZ, das Nummernschild von Gibraltar
Wir konnten das am nächsten Tag hautnah erleben, denn unser Gastgeber arbeitete in Gibraltar und nahm uns mit dorthin.
Als wir über die Grenze fuhren, die einzige Straßenverbindung von Spanien, mussten wir unseren Ausweis zeigen.
Manchmal steht man dort ein paar Stunden um hinüber oder wieder zurück zu kommen.
Denn zusätzlich zu den Passkontrollen, fährt man hier mit dem Auto direkt über die Start- und Landebahn des Flughafens!
Solch eine Kreuzung ist weltweit einmalig. Wie bei einem Bahnübergang wird die Straße jedes Mal gesperrt, wenn ein Flugzeug startet oder landet.
Im zweiten Weltkrieg hatte der Flughafen eine große Bedeutung für die Streitkräfte Großbritaniens.
Alle Fahrzeuge warten an der Schranke, weil ein Flugzeug vorbei fliegt! (Internetfoto)
Es war erstaunlich - wir waren nur 20 Minuten gefahren und kamen in einem der dicht besiedelsten Gebiete der Erde an. Auf einmal sprachen die Menschen um uns herum kein Spanisch mehr und unsere Euros konnten wir gleich stecken lassen wo sie waren. Denn die Amtssprache war nun Englisch und die Währung Gibraltar-Pfund!



Auf einmal ist alles Englisch!
  Bis 1704 war Gibraltar spanisch, wurde dann aber durch "Prinz Georg von Hessen-Darmstadt" erobert. Angeblich wurden die Spanier in ihrer "Siesta" vom Angriff überrascht,
also während der langen Pause in den Mittagsstunden...

Mittagspause auch für uns
Ein Versuch Gibraltar zurückzuerobern scheiterte, das Gebiet wurde formell den Briten zugeschrieben.
Vor Beginn des zweiten Weltkrieges baute man dann den Flughafen, während des Krieges wurde die Bevölkerung aus Sicherheitsgründen evakuiert.

Bauarbeiter...
Immer wieder gab es Streitereien zwischen Großbritannien und Spanien und so war die Grenze zwischen Beiden von 1969 bis 1985 geschlossen. 1982 wurde sie - zumindest für Fußgänger- wieder geöffnet.
(http://www.spanien-bilder.com/lexikon/gibraltar.htm)



Am nächsten Tag ging es für uns weiter. Mit Sack und Pack fuhren wir diesmal gleich alle mit dem Bus.


Einen kurzen Zwischenstop hatten wir in "Algeciras".
Das war irgendwie schon sehr "marokkanisch" angehaucht.





Dann kamen wir in Malaga an, die Stadt, von der Sabs und Ich irgendwann nach Hause fliegen würden.
Unser spanischer Freund "Chema", den wir beim Tauchen auf Mallorca kennengelernt hatten, der uns dort in seiner Wohnung hatte schlafen lassen und bei dessem bestem Freund in Madrid wir eine Woche gewohnt hatten, nahm uns Vier nun für zwei weitere Nächte in seinem Elternhaus auf.

 

Wir sahen mehr von dem kleinen Ort in dem wir schliefen als von der eigentlichen Stadt, aber das war nicht schlimm. Zu Fünft wurde es uns nicht langweillig.

Dreadlocks nacharbeiten
Bevor Sabs in ein paar Tagen nach Hause fliegen sollte, wollten wir noch einen einzigen Ort besuchen. Und das war die kleine Stadt Granada.
Weil wir noch ein paar Stunden Zeit hatten bis der Bus fuhr, musizierten Ben und ich unter Mandarinenbäumen für die vorbeiziehenden Menschen.
Es lief so gut, dass wir uns zumindest eines unserer beiden Bustickets erspielen konnten.



In Granada hatten wir das Glück ein paar Tage bei einem deutschen Freund von Sabs schlafen zu können.
 


Auch hier wird es langsam herbstlich.
Witzigerweise begegnete uns auch hier, am anderen Ende von Spanien, wieder der Jakobsweg. Denn im Nachbarhaus war eine Organisation untergebracht, bei der man eine Tour auf dem Jakobsweg buchen konnte.

Wieder begegnete uns der Jakobsweg und auch kleine gelbe Pfeile fanden wir.


Die Jungs waren im Hostel untergebracht und wir trafen uns regelmäßig, um die Stadt anzuschauen und in kleinen Bars kostenlose "Tapas" zu essen. Das sind Kleinigkeiten wie Fisch, Fleisch, aber auch Gemüse, die es zu jedem bezahlten Getränk dazu gibt. Außerdem gab es in Granada die allerbeste heiße Schokolade, dunkel und dick, fast schon wie Pudding!





Eingeparkt...
Es gibt noch andere schöne Orte in Granada, wie die "Al Hambra", die größte Ansammlung von Palästen in Spanien.

Die "Alhambra" in Granada (Internetfoto)
Ganz in der Nähe der "Alhambra".


 Die "Alhambra"ist Weltkulturerbe der UNESCO,
genauso wie das älteste Viertel der Stadt, genannt "Albaicin".
Es mag sein, dass ich die Viertel "Albaicin" und "Sacramonte" hier ein wenig verwische, denn ich bin nicht sicher, an welcher Stelle Eines aufhört und das Andere anfängt.
 "Sacramonte" wird auch als das "Zigeunerviertel bezeichnet.

Mariano Fernandez (gest. 1906), auch "Chorrojumo" genannt, ist eine der traditionsreichsten und bekanntesten Persönlichkeiten aus Granada. Selbst bezeichnete er sich als der "König der Zigeuner" und wurde respektiert für seine Autorität und sein gutes Urteilsvermögen bei Streitereien. Er erzählte Reisenden alte Geschichten über die "Alhambra", ließ sich fotografieren und verkaufte Postkarten mit Portraits von sich selbst. So verdiente er seinen Lebensunterhalt.

Ohne zu Übertreiben, bezeichne ich es hier als einfach wunderschön.
Die kleinen Häuser sind alle so liebevoll farbig zurecht gemacht, dass ich ewig hätte schauen können, immer wäre mir wieder eine tolle Kleinigkeit aufgefallen, die vorher unentdeckt gewesen war.
Sei es eine schmale Gasse oder ein schöner Brunnen zum Trinken.
Im Sommer werden es hier 40°C!
Oder man kommt zufällig auf einen der lebendigen Plätze, auf denen sich zu jeder Jahreszeit Straßenmusiker, Artisten und Schmuckverkäufer versammeln, um ihr Leben fröhlich zu genießen und eventuell später weiter zu reisen.

Stadtviertel "Albaicin"


Man muss ein wenig Atem mitbringen, wenn man sich das Viertel anschauen möchte.
Denn über niedliche, verwinkelte Gässchen, geht es immer weiter den Berg hinauf. Für mich und viele Andere erscheint es einfach unmöglich, sich dort nicht zu verlaufen. Denn es erschließt sich Einem keine Logik darin, wie die Straßen angeordnet sind! Immer wieder steckt man in einer Sackgasse und muss umkehren, aber zum Kennenlernen der Gegend, ist das umso schöner.



"Albaicin" entstand in der Zeit der maurischen Besiedlung.
 Früher war es arabisch und beherbergte rund 30 Moscheen, heute wird es christlich beeinflusst.



Eines Abend ließen wir uns mal wieder von dem Geschehen treiben, ohne irgendetwas zu planen.
Wir waren im Hostel und es ergab sich, dass dort auch noch zwei Gitarristen saßen. Wir machten Musik und als wir alle beschlossen hinaus zu gehen, nahmen wir unsere Instrumente einfach mit und liefen singend und tanzend durch die Straßen!
 

Als die Anderen in die Post gingen, stellten wir einen Hut vor uns auf und spielten weiter.
Dann liefen wir gemeinsam durch die Straßen und an jeder Ecke schien sich uns Irgendjemand anzuschließen und dann wieder zu verschwinden! 
Einmal war es der Afrikaner, der zu unserer Musik ein Lied rappte, dann steckte uns Jemand einen Anstecker an, um auf den Welt-Aids-Tag aufmerksam zu machen. Jemand kam auf einem "Segway" vorbei gerollt und unterhielt sich mit uns, dann gesellte sich ein junger Leipziger dazu, der seit 7 Jahren auf Reise ist und dabei immer auf der Straße schläft. 
(Hier fiel mir zum ersten Mal richtig auf, dass die Grenze zwischen "reisend" und "obdachlos" sehr schmal ist...)
 
 Langsam stiegen wir musizierend den Berg hoch und waren ganz schön außer Atem!
Doch als wir oben waren, konnten wir im Dunkeln über die ganze Stadt sehen.

Der Leipziger hatte uns begleitet und während wir Musik machten und Frisbee spielten, spuckte er Feuer.

Feuer spucken auf dem Berg in Granada.
Es war einer dieser wunderschönen Tage, an denen Ereignisse einfach irgendwie passieren und eins zum Anderen führt.
Dann hatten wir nur noch einen Abend, bevor Sabs und Ich uns verabschiedeten. Sie fuhr nun nach Malaga und flog nach Hause. Ich wollte noch zwei Wochen alleine in Spanien bleiben.
Es war eine traumhafte Zeit mit vielen Höhen und weniger Tiefen gewesen, die uns immer weiter zusammen brachte und einiges an Teamgeist abverlangte.
Ich gebe zu - Ich vermisste Sabs in den ersten Tagen meiner alleinigen Reise!

Abschied von Sabs

Auch von unseren treuen Reise- und "Bandkollegen" hieß es nun Abschied nehmen.
Sie fuhren weiter nach Madrid.
Für mich hieß es jetzt also, alleine weiter zu ziehen!

Abschied von unseren Reisekollegen

Friday, January 23, 2015

Vom Leben mit einer Band bis ans Ende der Welt


Da es immer noch regnete, fuhren wir in den nächsten Tagen mit dem Bus weiter nach "Santiago de Compostela". Wenn man seid Wochen oder Monaten gewandert ist, muss das Gefühl dort anzukommen unbeschreiblich sein. Diese Bedeutung hatte der Ort für mich nicht, wir waren ja nur ein kleines Stück geaufen.

Die Kathedrale in "Santiago de Compostela"
Die Kerzen, die man hier fuer Verstorbene anzuenden kann, sind elektrisch.
Dafür probierten wir hier zum ersten Mal die spanische heiße Schokolade mit "Churros" und die ist wirklich unglaublich gut!

In Spanien gibt es die allerbeste heisse Schokolade und dazu "Churros", eine Art frittiertes Gebaeck!

Fuer dieses Wochenende hatten wir unsere Reiseroute spontan ein wenig veraendert.
Eigentlich wollten wir nun in den Sueden Spaniens hinunter, aber unsere italienischen Freunde vom Jakobsweg, hatten uns auf ein Konzert in "La Coruña" eingeladen, noch weiter nördlich.


Es war ein großes Durcheinander als wir dort ankamen. Ganz einfach sollte der Weg in das Cafe zu finden sein, in dem die Italiener sassen! Aber die Beiden waren telefonisch nicht mehr erreichbar und wir wussten nicht genau, nach was wir eigentlich suchten.
Wir fragten uns durch, wurden in Straßen geschickt, deren Name ähnlich klang und in Bars, die aber auch nicht die richtigen waren.
Immerhin - als ich auf dem Weg bei einem Optiker herein schaute und nach Kontaklinsen fragte, bekam ich doch tatsächlich zwei geschenkt!

Sabs und John Lennon
Irgenwann liefen wir einfach Richtung Innenstadt und uns war egal, wo wir ankommen würden. 
Und dann fanden wir sie - die Straße, die genauso so hieß, wie sie heißen sollte!
Wir verbrachten etliche Stunden in dem Cafe und machten uns schließlich für das Konzert bereit, auf welches wir mit unserem ganzen Gepäck gehen würden.

Kurze Katzenwäsche im Cafe und Schuhe noch ein wenig trocken föhnen - auf geht´s zum Konzert!
Es regnete so stark, dass nun auch Sabs den Trick mit den Plastetüten an den Füßen versuchte. Sie zog die Tüte aber gleich über den Schuh!
Unser Gepäck ließen wir einfach dort, wo auch die Bands ihre Sache hinstellten - neben der Bühne.
Es spielten zwei spanische Bands und ihre Musik war großartig!
Die erste Ska-Punk-Band hieß "Chotokeu". 
Acht Leute, die mit einer unglaublichen Energie spielten, tanzten, sprangen, sangen... 
Gitarren, Schlagzeug, Geige, Saxophon, Bass, Gesang - es war alles dabei und wir wurden mitgerissen von ihrer wahnsinnigen Begeisterung. Sie waren auch schon einmal in Deutschland und haben auf der "Fusion" gespielt.
Wer Reinhören möchte - es lohnt sich!
https://soundcloud.com/chotokoeu

"Chotokeu"
Die andere Band war genauso großartig. Ihre Musik geht in Richtung Rock, Rumba, Salsa, Flamenco, Swing...
Sie nennen sich "Alpargata" und haben seit einiger Zeit eine richtig gute Querflötistin dabei, die aber leider noch nicht auf den Aufnahmen zu hören ist.


Sollte irgendjemand Kontakt zu Leuten haben, die Festivals organisieren oder ähnliches, könnt ihr mir sehr gerne Bescheid geben. Beide Bands würden gerne dieses Jahr wieder nach Deutschland kommen!

Nach dem Konzert gingen wir alle in das "Bandhaus", wo wir etliche Nächte schlafen durften.  Es dauerte eine Weile, bis ich verstanden hatte, wer von den vielen Leuten dort nun eigentlich wohnte und wer nicht. 
3 Leute der Band hatten sich zusammengetan und mieteten gemeinsam ein Haus in diesem kleinen Ort. Gäste waren immer willkommen. Wir durften so lange bleiben wie wir wollten und auch die Mitglieder der Band "Alpargata" waren für etliche Tage zu Besuch. Wir erlebten so viel Gastfreundschaft in diesen Tagen!

 

 

 

 Und so viel Musik! Am nächsten Tag gab es noch ein kleines Konzert mit Freunden, in einer kleinen Bar. Danach spielten alle die gerade Lust und ein Instrument hatten gemeinsam.
Es war spannend, einen Einblick in das Leben dieser "Berufsmusiker" zu bekommen. In diesen paar Tagen verging wohl keine Minute, in der keine Musik gemacht wurde. Abends wurde bis spät in die Nacht oder gar bis zum nächsten Morgen gespielt und die Letzten waren am Morgen noch nicht wach, da hatten die Ersten schon wieder ihre Instrumente in der Hand! 


Auch ein kleiner Hund lebte mir im Haus. Wir banden ihm einen Strick als Leine um, damit wir Gassi gehen konnten.
 Nach einigen Tagen verließen wir das "Bandhaus" und stellten uns wieder an die Straße. Unser nächstes Ziel sollte "Finisterre" sein, was übersetzt "das Ende der Welt"bedeuted. Viele Pilger, die nach Santiago wandern, laufen auch noch weiter nach Finisterre. Früher hat man sich dort oft eine "echte" Jakobsmuschel vom Strand geholt, als Beweis, wirklich da gewesen zu sein. Manche verbrennen dort symbolisch ihr Wanderkleidung oder lassen ihre Schuhe dort stehen. Endlich geschafft!
Wir trampten den größten Teil dorthin und fuhren den Rest mit dem Bus.

"Finisterre", übersetzt das "Ende der Welt"
 

Auf dem letzten Stück des Weges trafen wir ein paar junge Pilger und unterhielten uns.
Irgendwann kam die Sprache auf "Pascal", unseren treuen Reisegfährten, der die letzten Tage gewandert war, während wir mit Bus und Auto ganz andere Wege gefahren waren.
Plötzlich hielt mir Einer ein Foto vom Abend zuvor hin. "Meinst du diesen Pascal? Der ist gerade auch in Finisterre!" Ein Anderer hatte eine orange Jacke an, die ihm nicht gehörte. Ein Pascal hatte sie den Tag vorher im Restaurant vergessen, er wollte sie ihm wieder geben, wenn sie sich wieder sahen.
Am Ende stellte sich heraus, dass wir alle vom gleichen Pascal sprachen und als wir uns dann "am Ende der Welt" wieder trafen, bedeutete mir das viel. Wir hatten zusammen gestartet, jetzt waren wir auch hier am Ende zusammen!


Wir haben zwar unsere Schuhe nicht traditionsgemäß am "Ende der Welt" verbrannt, aber trotzdem einen Neuen gefunden!

Interessante Möglichkeit gebrochene Scheiben zu reparieren..
Ein Automat für Toilettenpapier! 20 Cent der Streifen.

Wir trafen einige interessante Menschen dort, am Ende der Welt!
Eine Französin hatten wir in der ersten Nacht in einer Herberge schon einmal getroffen. In den letzten Tagen pflegte sie eine kleine Maus. Dieses winzig kleine Tierchen hatte in einer Pfütze gelegen und wäre ertrunken, da nahm sie sie mit zum Laufen auf dem Jakobsweg. Jeden Morgen wandt sich die Maus auf dem Boden und es war als würde sie nicht mehr länger überleben, aber tatsächlich rappelte sie sich jeden Tag auf´s Neue auf! Die Französin fütterte sie mit Frischkäse und "wohnen" tat sie in ihrem Halstuch. Die Wärme und das Essen taten der Maus so gut, dass die Französin sie schließlich mit nach Frankreich nahm und sie irgendwann viel später sogar in die Freiheit entließ. Was dann aus ihr wurde, kann natürlich niemand sagen.

Eine Französin hatte eine kleine Maus in einer Pfütze gefunden und päppelte sie nun wieder auf, während sie den Jakobsweg lief!

Ich traf ein Mädchen zufällig wieder, mit der ich mich auf dem Konzert in "La Corouna" unterhalten hatte, was immerhin 100 km weit weg war. Die Welt ist ein Dorf!



Am "Ende der Welt" lernten wir nun auch unseren neuen Reisekollegen kennen, Felix aus Deutschland. Wir würden für die nächsten Wochen zusammen reisen, was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten. Unsere erste Fahrt ging nach "Muxia".

"Muxia"

Dann fuhren wir noch einmal nach "Santiago de Compostela", denn die meisten unserer Wanderkollegen würden nun dort zu Fuß ankommen und wir wollten sie noch einmal sehen.
In den Gesichtern der weit gewanderten Pilger, die mit uns im Bus saßen, konnte man ablesen, wie viel Luxus eine Busfahrt für sie nach dem ganzen Laufen bedeutete!

Die Regeln im Bus...
In "Santiago de Compostela" hatten wir diesmal sogar eine Unterkunft! Denn die Mutter eines der Bandmitglieder von "La Corouna" lebte dort und wir hatten uns auf dem Konzert mit ihr gut verstanden. Nun durften wir bei ihr wohnen!

Bei dieser netten Frau durften wir wohnen!


Unsere Freunde lebten zum Teil in der Herberge, in der wir auch beim letzten Mal gewohnt hatten. Bei einem Besuch dort, fand ein besonderes Ritual für die Leute statt, die gerade den Jakobsweg beendet hatten. Der "Herbergsvater" hatte irgendein Getränk mit Alkohol zusammen gemischt, dann las er ein Dokument auf spanisch vor, von dem wir allerdings nichts verstanden.

Der "Herbergsvater" las ein besonderes Dokument vor.
Dann wurde der Alkohol angezündet und - siehe da- er leuchtete wunderschön blau!

Angezündeter Alkohol

Danach konnte man das Getränk trinken. Da ich den Geschmack von Alkohol nicht besonders mag, hat es mir auch diesmal nicht wirklich geschmeckt. Aber das Ritual hat mir sehr gefallen!



Diesmal erwartete uns auch noch eine ganz andere Erfahrung in "Santiago de Compostela". Wir gingen in die Suppenküche um sehr günstig zu Essen! Dort trafen wir auf eine Menge Obdachlose, Reisende, Wanderer und Straßenmusiker, die sich aufgrund der Touristenmenge in diesem Ort viel Geld durch die Musik auf der Straße versprachen.
Wir trafen auch einen deutschen Katholiken, der seit 7 Jahren alle Jakobswege läuft. Manchmal lebt und arbeitet er irgendwo, dann zieht er weiter. Und wenn er einen Weg beendet hat, dann fängt er eben einen Neuen an. Ein Buch darüber hat er auch geschrieben, gelesen habe ich es allerdings nicht:
http://www.amazon.de/Ein-Pilger-sagt-niemals-Nein/dp/3990383329

Essen in der Suppenküche
Aber dann, ja, dann war es wirklich soweit! Seit Tagen wollten wir eigentlich schon hinunter in den Süden fahren, aber weil es uns so gut gefiel hier oben, waren wir länger geblieben.


Tschüß "Santiago" und ab in den Süden!
Unser neugewonnener Freund Felix war immer noch an unserer Seite und so sollte es auch bleiben. Spontan beschloss er, einfach mit uns zu fahren! Als er 5 Minuten vor Abfahrt immer noch nicht da war, dachten wir schon, er hätte es sich anders überlegt.
Aber Nein! Gerade rechtzeitig stand er dann doch auf einmal da und hatte gleich noch den Amerikaner Ben mitgebracht, den er vor wenigen Stunden kennen gelernt hatte und der uns jetzt auch begleiten wollte.
Spontanität bekam bei den Beiden einen ganz neuen Namen - sie hatten keine Ahnung wo wir eigentlich wirklich hinfuhren und bekamen auch auf der Fahrt erst mit, dass wir nun 17 Stunden im Bus sitzen würden um mehr als 1000 km zu fahren!

Foto im Bus...
 Irgendwann während der Fahrt fanden wir ebenfalls heraus, dass wir alle, mehr oder weniger, Musiker waren! Ben der Gitarrist und Sänger, Felix der Schlagzeuger, Ich an der Querflöte und Sabs mit den schönen Rasseleiern. Uns erwartete eine tolle Zeit als "Band auf Tour" im Süden Spaniens!
 
"Las Flechas" on Tour